© Telekurier Online Medien GmbH & Co. KG Elektromüll Ghana

44,7 Millionen Tonnen Elektroschrott fielen im Vorjahr an. Immer noch landet der Grossteil davon auf illegalen Deponien in Ghana oder im südchinesischen Guiyu.

Sechs Jahre ist es her, dass Umwelt-Journalist Mike Anane der futurezone aus erster Hand über die Deponien in Ghana berichtete, wo giftiger Elektroschrott aus Europa und der ganzen Welt illegal entsorgt wird. Als wir Anane nach all dieser Zeit am Telefon in der Hauptstadt Accra erreichen, ist die Freude über das Wiederhören groß. Umso ernüchternder fällt dann allerdings seine Antwort auf die Frage aus, was sich in den vergangenen Jahren hinsichtlich der Elektroschrott-Problematik zum Besseren verändert hat: „Leider nichts. Wir drohen den Kampf gegen den Elektromüll zu verlieren.“

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Der "Export" von Altgeräten und Altautos hat besorgniserregende Ausmaße angenommen.  Pläne, hier gegenzusteuern, gibt es nicht.

Wien – Interessanterweise sind es nicht die Umweltschützer, sondern die Entsorgungsbetriebe, die sich des Themas derzeit besonders annehmen: Die Recyclingbranche beklagt den hohen Anteil von Altgeräten und Altautos, die nicht sachgemäß in Österreich entsorgt, sondern über die Grenze gebracht werden – in die Nachbarländer oder auch weiter, etwa bis nach Afrika.

In den Zielländern werden sie manchmal eine Zeitlang weiterverwendet, oder ihre wertvollen Bestandteile werden entnommen. Dies geschieht dort aber nie nach ökologisch sauberen Gesichtspunkten, sodass Umwelt und Grundwasser belastet werden.

Dubiose Kanäle

Die Zahlen, die die Branche zu diesem Phänomen zusammengetragen hat, sind enorm: Nur ein Fünftel der in Österreich abgemeldeten Autos landen auf den heimischen Schrottplätzen. Diese Zahl ist eine Annäherung über den Rücklauf bei den dafür extra gebauten Schredderanlagen und die Autoneuzulassungen laut Statistik Austria. Bei den ausgemusterten großen Haushaltsgeräten, der sogenannten Weißware, sind es an die 50 Prozent der Geräte, die gen Osten verschwinden. Und beim Schrott aus kleineren Elektrogeräten, insgesamt geschätzte 100.000 Tonnen, ist es immer noch ein Viertel, das "in dubiosen Kanälen verschwindet", wie Hans Roth, Präsident des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe und Chef der Saubermacher AG, erläutert.

Anlagen brauchen Auslastung

Abgesehen von grundsätzlichen umweltschützerischen Bedenken sind es zwei Gründe, weshalb die Branche den Schrottabfluss nach Osten derzeit so thematisiert: Österreichs Entsorgungsbetriebe haben kräftig investiert und benötigen nun ständig entsprechend Material zur Auslastung der teilweise riesigen Werke. So gibt es mittlerweile sechs große Schredderanlagen in Österreich, die auf das Zerteilen von Altautos spezialisiert sind.

Der zweite Grund hängt mit der Brüsseler Gesetzgebung zusammen. An einem EU-Kreislaufpaket mit höheren vorgeschriebenen Recyclingquoten wird derzeit gearbeitet. Es wird ein strengeres Abfallregime in der EU vorgegeben. Für Österreich bedeutet dies, dass noch höhere Recyclingquoten erreicht werden müssen. Und dass möglichst gar nichts mehr deponiert werden soll. Für die Industrie für Umwelttechnologien sei das Paket eine große Verkaufschance, sagt Roth, denn die Entsorgungsstandards bei den neuen EU-Mitgliedern lassen zu wünschen übrig. Die zu bauenden Anlagen werden mit bis zu 90 Prozent aus EU-Mitteln gefördert.

Konsument spielt mit

Doch zurück nach Österreich: Die Rolle des Konsumenten bei dem florierenden illegalen Altgeräteexport ist diesem vielfach nicht bewusst. Haushalte, vor allem in Ostösterreich, und da wiederum in Grenznähe, stellen alles, was sie nicht mehr wollen, vor die Haustüre, und schwuppdiwupp ist es weg. Es landet auf wilden Deponien – manchmal nicht weit von der Grenze. Geräte so zu entsorgen ist ein Verwaltungsvergehen, sagt Roth. Und es könne von den Gemeinden mit einer Geldbuße geahndet werden.

Noch komplizierter nachzuverfolgen ist das Verschwinden von Altautos. Händler stecken kleine Zettel hinter die Windschutzscheibe mit der Aufforderung, sich zu melden, wenn man das Auto verkaufen will. Leute, die sich ein neues Fahrzeug zulegen wollen und die Kosten für die Entsorgung des alten Gefährts scheuen, freuen sich über die paar Hundert Euro, die da noch drin sein können.

Zollbeamte dürfen beschlagnahmen

Auch diese Autos landen auf dubiosen Sammelplätzen, wo sie auf ihre wertvollen Teile hin zerlegt werden – manchmal gleich in Österreich. Zollbeamten waren da bisher die Hände gebunden, sagt Roth, sie mussten nämlich auf die Polizei warten. Mit einer Novelle zum Abfallwirtschaftsgesetz soll es den Zollbeamten aber erlaubt werden, dass sie dort einmal alles vorsorglich beschlagnahmen. (Johanna Ruzicka, 19.9.2016) - derStandart.at

Berlin (dpa-AFX). Das Berliner Recycling-Unternehmen Alba hat einen Investoren gefunden. Die chinesische Unternehmerfamilie Deng steigt über die Firma Techcent mit Beteiligungen von je 60 Prozent in zwei Bereiche der Alba-Group ein, wie die Berliner am Wochenende mitteilten. Konkret geht es um das Chinageschäft, wo Alba vor allem im Recycling von Elektro- und Autoschrott aktiv ist. Außerdem übernehmen die Chinesen die Mehrheit am Segment Services, zu dem die Sortieranlagen und das Duale System der Firmentochter Interseroh gehören. Laut Finanzkreisen zahlt Techcent für die Beteiligung mehr als 300 Millionen Euro, die Unternehmen wollten diese Zahl jedoch nicht kommentieren.

Beide Seiten zeigten sich zuversichtlich, von der Partnerschaft profitieren zu können. "Techcent als börsennotiertes Familienunternehmen teilt sowohl unsere Strategie als auch unsere Werte" erklärte Alba-Vorstandschef Axel Schweitzer. Techcent verspricht sich Zugriff auf das Know-How des deutschen Recycling-Spezialisten. Außerdem will der Konzern seine Stellung "als führendes chinesisch-deutsches Umweltunternehmen" stärken, wie der Vorstandsvorsitzende Deng Xiang mitteilte. Techcent hatte im Frühjahr bereits das Wassertechnik-Geschäft vom deutschen Baudienstleister Bilfinger übernommen.

Um eine Zerschlagung des Familienunternehmens Alba handele es sich bei der Vereinbarung nicht, sagte Schweitzer am Sonntag in einem Interview mit der Online-Ausgabe des "manager magazin". Die Eigenkapitalquote der Alba-Gruppe steige durch den Deal auf mehr als 30 Prozent. Die Partnerschaft sei auf Dauer angelegt, das Unternehmen habe lange nach einem passenden Partner gesucht. Laut Mitteilung behält der Alba-Vorstand außerdem ein Mitspracherecht. Die von der Beteiligung betroffenen Gesellschaften sollen gemeinsam geführt werden - unter dem Vorsitz von Axel Schweitzer.

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